Verfasst von: melscholz | 26. April 2012

Der Bote, Teil 2

Thema der Woche  http://www.der-bote.net Mittwoch, 25. April 2012

„2012 wird mein Jahr“

Melissa Scholz will dank neuer Therapie in Israel ihre Multiple Sklerose loswerden

VO..N.. .S..IMK..E. .S..T.R..O..B..L.E..R………………….

Der Bote - 2012 wird mein Jahr

Der Bote - 2012 wird mein Jahr

Halver. Sie ist weder nervös noch panisch. Und auf die Frage, ob sie Angst hat, sagt sie in Seelenruhe und selbstbewusst: „Ich habe keine Angst! Angst bringt mich nicht weiter.“ Melissa Scholz weiß, dass die nächsten sechs Wochen vielleicht ihre einzige Chance sein werden, diese unheilbare Krankheit ein für alle Mal loszuwerden. Die 47-jährige Halveranerin fliegt am Sonntag nach Israel, um sich in Tel Aviv mit einer vielversprechenden Stammzelltransplantation behandeln zu lassen. „Das Ganze heißt HSCT: Meine Kinder können dieses Wort schon nicht mehr hören“, lächelt die Amerikanerin, die seit 25 Jahren in Deutschland und seit 17 Jahren in Halver lebt: „Sie sind einfach froh, dass es am Sonntag endlich losgeht.“ Auch wenn Jennifer und Sam ihre Mutter dann für sechs Wochen loslassen müssen. Melissa Scholz hat seit 15 Jahren Multiple Sklerose (MS). Sie war Anfang 30, als die Krankheit diagnostiziert wurde. „Ein Schock“, erinnert sie sich. Trotzdem lernte sie, mit der Autoimmunerkrankung zu leben und bestmöglich dagegen anzukämpfen. „Diese Krankheit ist leider immer mehr zu einem Eckpunkt meines Lebens geworden. Ich muss ständig Eingeständnisse machen und lernen, trotz der Beeinträchtigungen das Beste aus meinem Leben zu machen.“ Mittlerweile ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie im Rollstuhl sitzen wird. Eine Erkenntnis, die sie nie richtig akzeptieren wollte. Lebenslang eine degenerative Nervenkrankheit ertragen zu müssen – „nicht die Zukunft, von der ich mal kühn ausgegangen bin. Ich schaffe es ganz gut, ein fröhlicher, positiver, offener, mutiger und starker Mensch zu bleiben, obwohl mein Körper täglich schwächer wird und nicht das macht, was ich will.“ Autofahren kann sie noch – dank Automatik. Treppensteigen ohne Geländer schon nicht mehr, auch das Laufen über mehrere Hundert Meter funktioniert nur noch mithilfe eines Rollators oder Nordic-Walking- Stöcken. Im September 2011 stieß sie bei Recherchen im Internet auf einen Blog und entdeckte, dass es offenbar durchaus eine Möglichkeit gibt, die MS zu stoppen: mithilfe einer Stammzelltransplantation, die, wie Melissa Scholz herausfand, schon mehr als 600 MSKranken geholfen hat. „Ich stellte viele Fragen, und postwendend kamen Antworten.“ Gleichzeitig recherchierte sie Studien zu HSCT für Multiple- Sklerose-Patienten, wendete sich an Kliniken, kontaktierte Menschen, die erfolgreich behandelt worden waren. „Es war ein Riesenvorteil, dass ich Englisch kann und Dank meines Vater und Großvaters auch etwas medizinisches und wissenschaftliches Verständnis habe.“ Am 6. Dezember 2011 dann tatsächlich der erste Termin an der Uni-Klinik Heidelberg, der bislang einzigen Klinik in Deutschland, an der MS-Kranke mit HSCT schon behandelt worden sind: „äußerst erfolgreich“, wie Melissa Scholz herausfand. Sie traf sich mit dem leitenden Oberarzt der Neuroonkologie sowie einem Hämatologen und bekam das ersehnte Okay für die Stammzelltransplantation. „Abends, als ich wieder zu Hause war, musste ich kurz in mich gehen: Will ich mich wirklich freiwillig für eine Chemotherapie melden? Die Antwort: Wenn HSCT mir meine Zukunft zurückgibt, dann ja!“ Auf Anraten ihrer Ärzte setzte sie aufgrund ihres Vorhabens ihre monatliche Infusion – ein monatlich 2460 Euro teures Medikament, um den Fortschritt der MS zu verlangsamen – ab und traf zeitgleich alle anderen Vorbereitungen für Heidelberg. Gleichzeitig bemerkte sie viele MS-Symptome, die das Medikament zuvor gebremst hatte. „Mir ging es schlechter.“ Spätestens Anfang März sollte es losgehen. „Ich drängte auf einen festen Termin, wartete auf eine Auskunft zur Kostenübernahme durch die Krankenkasse – betonte aber immer, dass ich auch privat bezahlen würde – und bekam, völlig überraschend am 5. März eine Absage der Uni- Klinik. Klipp und klar, aber ohne Begründung. Warum, weiß ich bis heute nicht.“ Die 47-Jährige war geschockt: „Sprachlos, enttäuscht, verärgert, verzweifelt – und das zwei Tage lang.“ Dann wusste sie, dass sie nach vorne schauen musste. „Also habe ich angefangen, neue Möglichkeiten zu suchen.“ Und wusste dabei, dass es weltweit nicht viele Kliniken gibt, die die Stammzellentransplantation für MS-Patienten anbieten. „In den USA laufen Studien in Phase III (anmerk. d. Redaktion: Ab Phase IV wird ein Medikament zugelassen) – vorrangig in Chicago –, für die aber nur Patienten mit einer bestimmten MS in Frage kommen, die ich nicht habe. Die Klinik in Australien nimmt nur Australier, die Klinik in Kanada nur Kanadier, eine Klinik in Schweden nur Schweden oder Norweger. Nach Indien wollte ich aus den verschiedenen Gründen nicht hin.“ Erfolg hatte die MS-kranke Halveranerin in Tel Aviv in Israel. „Der dortige Professor Shimon Slavin arbeitet seit den 80er Jahren auf dem Gebiet.“ Er begutachtete Melissa Scholz’ Berichte und sonstige Unterlagen und gab sein Okay für die Therapie. Fünf bis sechs Wochen wird Melissa Scholz ab Sonntag von Zuhause weg sein. „Eine Freundin begleitet mich. Dann kommt meine Mutter aus USA angeflogen, löst sie ab und fliegt anschließend mit mir zurück nach Deutschland. Es bedeutet mir unheimlich viel, das Ganze mit jemandem teilen, mich anlehnen und festhalten zu können, denn es wird ein paar sehr schwere Tage geben, vor allem nach der Chemo. Aber ich sehe das Ganze wie einen Tunnel, und freue mich aufs Licht am anderen Ende.“ In Tel Aviv muss sie zunächst einige Untersuchungen über sich ergehen lassen. Dann werden ihr Stammzellen entnommen, bevor ihr Immunsystem nahezu komplett heruntergefahren wird. Anschließend werden ihr ihre tiefgefrorene Stammzellen per Infusion zurückgegeben. „Dieser Tag gilt als der Tag 0, mein zweiter Geburtstag. Und darauf freue ich mich schon riesig. Denn an diesem Tag bekomme ich meine Zukunft zurück.“ Bis sich die Stammzellen wieder im Knochenmark einnisten und ihre „Arbeit“ aufnehmen, dauert es zwischen zehn und 18 Tagen. In dieser Zeit – darüber macht sich die Halveranerin nicht vor – werden die Nebenwirkungen der Chemotherapie voll zuschlagen. Sobald sie wieder genügend weiße Blutkörperchen in ihrem Blut hat, wird sie entlassen und kann nach Hause fliegen. Zwei bis drei Monate lang wird sie weiterhin extrem immunanfällig sein. Eines weiß sie: „Ich werde nie komplett frei von den MS-Schäden sein – dafür habe ich die Krankheit schon zu lange. Aber ich hoffe und glaube, dass der Abwärtstrend endlich gestoppt werden kann und ich eine deutliche Verbesserung erwarten kann. 15 Jahre lang habe ich immer nur gehofft, aber nie wirklich geglaubt, dass es einen Weg aus der MS geben wird.“ Eine Stammzelltransplantation ist allgemein sehr teuer. Da sich Melissa Scholz jetzt im Ausland behandeln lässt, wird ihre Krankenkasse keinerlei Kosten übernehmen. Mithilfe ihrer Eltern, die sofort zusagten, sie finanziell zu unterstützen, kann sie die rund 75 000 Euro aufbringen. „Ich will diese Therapie machen. Sie ist meine einzige Chance. Und ich habe jetzt weltweit so viele Menschen kennengelernt, die sich auf diese Art und Weise haben behandeln lassen, dass ich zuversichtlich bin, es zu schaffen. 2012 wird mein Jahr.“ Melissa Scholz wird ihre Behandlung in Tel Aviv mit einem Internet-Blog unter http://www.rausausderms. wordpress.com begleiten.

Treppensteigen als Hindernis: Ohne die Stammzelltransplantation wäre es nur eine Frage der Zeit, bis die MS-kranke Melissa Scholz im Rollstuhl sitzen würde. Foto: Clever

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