Verfasst von: melscholz | 29. Mai 2012

Tag + 7

Ich habe wohl das Bloggen gestern geschwänzt. Unangekündigtes Fernbleiben, so heißt das doch offiziell, oder?

Selbstverständlich voll tiefster Reue, hole ich nach…

Gestern gab’s eine ausführliche Untersuchung und Blutabnahme. Da meine „gelben“ Werte wieder normal sind (kein Blut im Urin), darf ich auch wieder normal trinken. (Normal heißt normal, nicht normal für Menschen mit  MS, wurde mir erklärt –die ja immer zu wenig trinken, damit sie nicht so oft… und so…)

Die Blutwerte zeigen, dass ich neutropenisch bin, d.h. eine ganz niedrige Anzahl der Neutrofils, bestimmte weiße Blutkörperchen, habe. Und das ist gut so, sozusagen Ziel dieser ganzen Aktion hier. Jetzt müssen die Blutstammzellen „re-engraften“ (deutsch = wieder einnisten? Klingt aber nicht so cool) und neue weiße Blutkörperchen herstellen.

Wie bereits gefühlte tausendmal gesagt, bin ich dadurch anfällig und weiterhin super vorsichtig.

Neu ist, dass ich seit 2 Tagen oder so ganz schön schwach/schlapp bin. Meine Gehstrecken werden kürzer (ein paar hundert Meter mit Johnny Walker max) und ich bin tatsächlich leicht aus der Puste zu bringen –witzig, weil ich das jahrelang nicht gehabt habe…meine Beine machen sonst immer schlapp, bevor mein Herz/Kreislauf überhaupt auf Trab kommt. Schlappsein ist aber auf jeden Fall normal und erwartet in dieser Phase und wird zum Teil nachlassen, wenn ich re-engrafte. Zum Teil bleibt das Schlappsein über die nächsten Monate als Folge der Chemo. Stundenlang mehr oder weniger Nichtstun und ewig lange schlafen-beides kein Problem im Moment– meine Kids würden mich nicht wieder erkennen. Mom meint, ich hätte vielleicht 30% von meiner normalen Energie.

Total gut ist, dass meine Mutter ganz viel Verständnis hat, wir uns super verstehen und hier genügend Platz ist, dass wir uns nicht gegenseitig ständig auf den Keks gehen.

Darüber hinaus gibt es kleine Zeichen…

-mein „Purple Foot“ und kalte linke Hand sind fast verschwunden

-ich bin weniger hitzeempfindlich

-meine Fingerspitzen kribbeln ein bisschen, anstatt nur taub zu sein

-meine Nasenspitze kribbelt nicht mehr (das ist lästig – man meint immer, man müsste nießen!)

-meine Koordination ist besser …ich kriege die blöden Kunststoffverpackungen für Wurst und Käse mit weniger Anläufen geöffnet –manchmal sogar beim ersten Versuch!

Das sind Kleinigkeiten, aber schon in zweierlei Hinsicht toll-

Erstens sind das doofe Kleinigkeiten, die mir das tägliche Leben immer ein bisschen erschwert haben (und über die Zeit nur schlimmer geworden wären). Man lernt zwangsläufig dadurch geduldig mit sich selbst und demnach auch mit anderen zu sein. Das ist ja gut, aber trotzdem.

Zweitens, diese erste Mini-Verbesserungen sind schon ein gutes, frühes Anzeichen dafür, dass die HSCT mit Chemo den Fortschritt der MS gestoppt hat und lässt echt hoffen auf weitere Verbesserungen der Symptome, wenn mein Körper über die nächsten Monate und Jahre Zeit hat, sich von dem Angriff der falsch programmierten Immunzellen zu erholen. Wird schon alles werden 🙂

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Responses

  1. Hi Melissa,
    wie toll, dass du jetzt schon Fortschritte merkst!
    Mach weiter so!!
    Viele liebe Grüße aus Halver von
    Peter und Ingrid

    • Hi, Melissa,
      finde es toll, dass Du erste Anzeichen einer Besserung verspürst!
      Mach weiter so, wir drücken Dir die Daumen.
      LG aus Borken
      Andreas

  2. Wir drücken Dir soooooo die Daumen und denken an Dich. Viel Erfolg und Kraft und Nervenstärke….Du schaffst das schon :-))
    Stefan und Astrid

  3. Du glaubst garnicht wie glücklich auch mich deine „kleinen“ fortschritte machen!!! Ich musste von anfang an miterleben wie es mit deiner Krankheit vortgeschritten ist und hab so sehr mit dir gelitten! Ich bin so glücklich das es jetzt in kleinen schritten besser wird!! Und es wird weiter besser werden,GANZ SICHER!!!!
    Fühl dich ganz lieb gedrückt!!!
    Liebe grüße an deine Mom!

  4. Hey liebe Melissa, ich bin so glücklich, DAS zu lesen. All diese Kleinigkeiten wären mir und vielleicht auch vielen anderen ja zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich niemals aufgefallen – aber Hauptsache, Du spürst, dass sich irgendwie etwas verändert. Ich kann es kaum erwarten, Dich wiederzusehen und wünsche Dir weiterhin alles, alles Gute. Fühl Dich lieb gedrückt von mir!


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