Verfasst von: melscholz | 12. Juni 2012

Tag +21 – der 12. Juni, 2012

Heute vor 3 Wochen war mein neuer Geburtstag. Wie die Zeit doch fliegt. Nach 6 Wochen war der Abschied bittersüß…

Die Wartezeit auf Engraftment danach kam mir so ewig vor, jetzt schaue ich zurück und denke es ging doch schnell. Diese 6 Wochen ohne Krankenhausaufenthalt, Fieber oder irgendeine ernsthafte Komplikation geschafft zu haben, das gibt es nicht so oft. Dass das geklappt hat, führe ich auf die hervorragenden Mitarbeiter in der Klinik zurück, aber auch ganz wesentlich auf meine Mutter und Sonja, die so gut auf mich aufgepasst haben, alle Vorschriften ernst genommen und befolgt haben und einfach (?) ganz doll für mich da waren. D A N K E !!!  🙂 -nur 5 Buchstaben, aber hinter jedem versteckt sich ein ganzer Korb voller Hugs und Kisses und Smilies.

Seit +16, also seit 5 Tagen, bin ich wieder zu Hause und das ist unglaublich schön. Wer hätte gedacht, dass ich „Klein-Halver“ so vermissen würde? Ausflüge ins normale Leben machen mir im Moment riesig Spaß …zum Supermarkt, Kids von Schule abholen, Tanken, Baumarkt.

Es war auch einfach ein tolles Nach-Hause-Kommen. Der Rückflug verlief reibungslos; es hat nur schon extremste Selbstbeherrschung erfordert, nicht öfter als alle 10 Minuten auf meine Uhr zu schauen, so ungeduldig war ich.

Am Flughafen haben die Kids Grammy und mich fast umgeworfen als wir aus dem Gepäckrückgabebereich heraus kamen. Das war ein freudiges Wiedersehen!

Nachbarn und Freunde haben zu Hause wie die Wilden das Wildnis im Garten gezähmt, Blumen gepflanzt, andere haben eingekauft, Kuchen gebacken, Blumen vorbeigebracht, angerufen, kurz besucht, Karten geschickt. Mir habt ihr eine riesige Freude gemacht.

Auch medizinisch geht’s mir gut. Sicherlich bin ich nicht 100% bei Kräften, aber mindestens 50% und das ist mehr als ich erwartet habe. Durch die Chemo ist es so, als ob ich nicht mehr einen 60 Liter Tank hätte, sondern nur noch 10. Solange ich noch Sprit habe, klappt alles wunderbar, wenn der Tank aber leer ist, muss ich ab auf die Couch, um in Ruhe wieder voll zu tanken.

Dreimal am Tag Aciclovir 200 als Porphylaxe gegen Viren nehmen, das wird die nächsten 3 Monate weitergehen. Morgens und abends Temperatur messen, um sicher zu sein, dass ich noch im „Unter 38° “ Bereich bin. Ansonsten wird einmal pro Woche mein Blut untersucht, um die Entwicklung der Werte zu verfolgen. In geschlossenen Räumen mit vielen Menschen trage ich noch die Maske, wer zu Besuch kommt, muss die Hände waschen, ich nehme Leute nur virtuell oder „grad-eben“ in die Arme. Die Glatze glänzt.

Bis ich wieder 60 Liter tanken kann, wird’s 3-4 Monate dauern. Bis dahin werde ich wahrscheinlich nur kleine Verbesserungen merken. Immerhin meinen die Kinder, dass ich mich jetzt schon anders, stabiler bewege. Die größten Verbesserungen finden in der Zeit zwischen 6 und 24 Monate nach dem Tag 0 statt. Genau wann, wie viel… das wird sich einfach zeigen. Die Schutzschicht (Myelin) um die Nervenstränge braucht Zeit, um sich wieder aufzubauen, erst dann wird man sehen, wieviel Schäden an den Nervensträngen sind, wieviel an die Myelin-Schicht. Hauptsache, der Fortschritt kann gestoppt werden 🙂

Ab jetzt werde ich nur noch 1-2 Mal im Monat hier berichten, wie es mir geht schreiben. Das ganz Spannende ist vorbei, es geht jetzt um das Genesungs- und Heilungsprozess und der Rückkehr zum schönen Alltag. Oder viel eher fängt das Spannende gerade an – ich habe meine Zukunft zurück.

Danke für all die Unterstützung und Aufmunterung von so vielen Seiten. Das hat mir echt gut getan, Mut gemacht und Kraft gegeben in Zeiten, wenn das Ganze doch etwas anstrengend war. D A N K E !!!  🙂

Hier ist ein Link zu meinem neuen Lieblings-Lied von Lenny Kravitz:

Home Sweet Home 🙂

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Responses

  1. Schööööööön, dass Du wieder in KLEIN-HALVER bist. Wir sehen uns sicher am Freitag.

    Feu mich auf Dich 🙂

    LG
    Heike

  2. Liebe Melissa,

    wir wünschen Dir für die nächsten Tage, Wochen und Monate alles erdenklich Gute. Es ist schön, dass Du wieder zuhause bei Jennifer und Sam bist.
    Auf dem Foto siehst Du einfach toll aus.

    Liebe Grüße von Karin und Reiner

  3. Liebe Melissa,
    ich habe mich heute durch Deine Seite gelesen, ich wohne zwar in Halver, hab aber Deine Seite erst heute entdeckt und auch die Presseartikel nicht gelesen, wir waren in Urlaub. Mensch, geht es mir gut, wie klein doch Alltagsdinge werden angesichts Deiner Krankheit.
    Wir kennen uns nicht, aber ich musste Dir einfach mal schreiben, was Du für eine tolle, starke Frau bist. Ich wünsche Dir, dass Du weiterhin Dein Immunsystem aufbauen kannst ohne jegliche Rückschritte, dass Du ein unbeschwertes Leben ab jetzt ohne MS führen kannst. Vielleicht sieht man sich ja zufällig mal.
    LG Anja Neuhaus

  4. Hallo Melissa,
    ich hab dich ja schon am Freitagmittag auf der Kirmes zusammen mit deiner Tochter gesehn. Leider war ich an unsern Bierstand von den Landskechten geschäftlich gebunden und konnte dich nicht begrüßen. Das holen wir aber morgen Abend nach. Versprochen :))
    LG Rainer

  5. Hallo Melissa,
    viele gute Gensungswuensche mit ganz viel Sonne schicken dir Peter und Ingrid aus Kreta. Wir freuen uns, wenn wir dich endlich sehen koennen. Und gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz viel Spass heute abend 🙂


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